Katalyn Bohn

Wiesbadener Kurier, 6.2.2017

Eine einzigartige Mischung

KABARETT „Sein oder online?“ – Katalyn Bohn singt, musiziert, schauspielert und zaubert

Von Laura Jung

WIESBADEN – „Eine Wahnsinnsleistung!“, „Mannomann“, „Ein Multitalent.“ Das Lob der rund 60 Zuschauer und der frenetische Applaus wollten gar nicht abreißen: Katalyn Bohn strahlte nach der Vorpremiere von „Sein oder online“ auf der Bühne der Kammerspiele übers ganze Gesicht. Und die Frau mit den braunen Locken und den roten Lippen aus Bremen konnte wirklich zufrieden mit sich sein. Ein großer Dank ging an Helge Thun für die künstlerische Mitarbeit, und Blumen gab es für Marie-Luise Bolte für die musikalische Komposition.

In unzählige Rollen geschlüpft

Anderthalb Stunden hatte Katalyn Bohn sich ausgiebig mit dem Thema Digitalisierung und dem Dilemma unseres maximal effizienten Lebens in all seinen Facetten beschäftigt. Hatte gesungen, gezaubert, auf der Ukulele gespielt, war in unzählige Rollen geschlüpft und hatte die präsentierte Sozialkritik zwischendurch mit einem Augenzwinkern kommentiert.

Die einzigartige Bohnsche Mischung aus Kabarett, Theater, Musik und Zauberkunst startete zunächst mit einem kalten Entzug: In einer geleiteten Meditation sollten sich alle Zuschauer ganz bewusst von ihren Handys, „der Nabelschnur zur Welt“, verabschieden, noch einmal „sanft übers Display streichen“ und die „persönlichen Begleiter“ dann wegpacken: „Sonst quält uns das aus dem Unterbewusstsein.“

Was hat das digitale Zeitalter aus uns gemacht? Das fragte sich Bohn und erzählte Geschichten aus dem wirren modernen Leben: Ein zwangsgestörtes Stadtkind mit überforderten Eltern, das auf einem Therapie-Bauernhof überleben muss, nachdem es einem anderen Kindergartenkind ein iPad über den Kopf gezogen hat. Der geheime Tagebuch-Chat eines Schweins, einer Kuh, eines Kükens und eines Lamms, die kreative Auswege aus dem Schlachthof suchen und sich fragen: „Gibt es ein Leben vor dem Tod?“ Ein generationenübergreifendes Krankenhaus, das Schwangere und Sterbende aus Effizienzgründen zum gemeinsamen Hecheln und Röcheln einlädt.

Die Liebe im Zeitalter der Digitalisierung, kann das noch funktionieren? Auf sehr intelligente und vielseitige Weise setzt Bohn sich mit der Überforderung des Menschen auseinander. Ist Coaching die Lösung? Oder gar Coach-Coaching? Die Schauspielerin nahm die gestresste Karrierefrau ebenso auf die Schippe wie den Gesundheitscoach mit fragwürdigen kommerziellen Praktiken. Am Ende präsentierte sie die Selbstliebe als Schlüssel zu einem selbstbestimmteren Leben und verpackte dies in ein wundervolles Lied, das sie auf der Ukulele begleitete. Ob es gewollt war, dass ihr der Blumenkranz dabei über die Augen rutschte? Die Zuschauer erlebten in jedem Fall einen grandiosen Abend und konnten im Anschluss bei Büfett und Wein weiter über digitale Sinnfragen philosophieren.

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