Katalyn Bohn

Rheinpfalz, 20.11.2017

„Halbwegs ist nicht genug“

Katalyn Bohn mit ihrem Programm „Sein oder online“ im Speyrer Zimmertheater.

von Alexandra Nachtigal

Ausgefallen, spritzig, sympathisch, frech, gigantisch: – Katalyn Bohn ist eine vielseitige Künstlerin. Im ausverkauften Speyrer Zimmertheater sind sich alle befragten Gäste einig: Der Kabarett-Abend am Freitag mit der Grimmepreisträgerin ist kurzweilig und erfrischend.

Ihr neues Bühnenprogramm „Sein oder online“ beschäftigt sich mit der Effizienzoptimierung der heutigen Welt: Angefangen in der Rolle eines Kleinkindes, das mit Widerstand und Laktoseintoleranz die Eltern erzieht – gestrandet auf einem Therapie-Bauernhof lernt es Erde, Gras, Sonne und einen Regenwurm kennen. Doch der Schein trügt: die Tiere sind längst online. Mit unvergleichlicher Mimik und Gestik werden das intelligente Schwein Rüdiger, Carla-Kuh und Lotte Lamm lebendig und das Publikum tobt.

Mutig prangert Bohn die Massentierhaltung und die Küken-Vernichtung im Schreier an – so charmant verpackt, dass erst im Nachgang die tiefsinnigen Botschaften zum Nachdenken anregen.

Genau wie die Welt der Emojis – die heutige Gefühlslage „to go“. YouTube, Netflix, Whatsapp, Facebook, Twitter, Linkedin… – der Einzeller des Urknalls hat sich nach erfolgreicher Teilung und der Vielzahl der Möglichkeiten zurückverwandelt in einen Katzen-Video-Zombie.

In der Rolle einer Consultung Business Ehefrau und Mutter zeigt Bohn, dass Flexibilität, komplexe Problembewältigung, Anpassungsfähigkeit und Kreativität nicht in jedem Lebensbereich gleich einsetzbar sind und erst nach erfolgreichem Coaching eine Work-Live-Balance erreicht werden kann.

„Halbwegs“ ist nicht genug. Ein Leben ohne Technik ist nicht vorstellbar. In kritische Liedtexte verpackt, werden die Sitzheizung wie auch die Umweltsünden der heutigen Zeit in Frage gestellt.

Eine Kombination aus Schauspielkunst und musikalischem Talent zeigt Bohn mit einer Ukulele: ein Liebeslied, das zu Herzen geht. Selbstliebe führt zu Liebe untereinander.

In dem Workshop „Träum weiter“ verpackt, gibt die Ausnahmekünstlerin dem begeisterten Zuhörer und Zuschauer die Fragen mit: wovon träumen wir, wenn wir wach sind? Was ist zur „Lebenszeit-Optimierung“ wirklich wichtig? Und reicht nicht ein dickes Seil und ein Zaubertricks um „On Line“ zu sein?

Bohn, dieses Jahr ausgezeichnet mit dem Kabarett-Preis „Kleiner Hurz“ durfte nicht ohne Zugabe die Bühne verlassen.

Das ehrenamtliche Zimmertheater-Team mit Gaby Milla und dem künstlerischen Leiter Timo Effler freut sich auf die Wiederholung des Programms „Sein oder online“ von Katalyn Bohn am 27. Januar.